Bea Wagners Blog

Books on Demand

Ein Jahr und fünf Bücher mit BoD – Teil 1

Immer, wenn ich denke, ich bin nun auf alle Dollheiten vorbereitet, lässt BoD sich wieder etwas Neues einfallen, um mir das Leben zu vermiesen. Der zweite Band von „Lila Rhinozeros tanzt Lambada“ ist seit wenigen Tagen lieferbar. Kurzgeschichten, Texte, Kolumnen, Satiren – doch BoD war anscheinend anderer Meinung und beschloss selbstherrlich, es handelt sich bei diesem Buch um einen Roman.

Dass man nicht bereit ist, für vernünftige Kategorien = Auffindbarkeit meiner „lesbischen“ Bücher zu sorgen, scheint leider nicht zu ändern zu sein. Entgegen den vollmundigen Versprechungen der Pressesprecherin von BoD, Frederike Nielsen, für Abhilfe zu sorgen, hat sich auch nach mehr als sieben Monaten in dieser Hinsicht überhaupt nichts getan. Doch nun ist man sogar noch einen Schritt weitergegangen und machte aus dem aus dem neuen Buch einen Roman. Hier gab es komischerweise weder Hemmungen noch Schwierigkeiten, die Kategorie einfach schnell mal zu verändern.

Gesehen habe ich bisher noch kein Exemplar, doch die Coverabbildungen bei zwei, drei Buchhändlern gefallen mir gar nicht und ich warte misstrauisch darauf, das Buch selbst in die Hand bzw. vor die Augen zu bekommen. Nun ja, glücklicherweise haben wir einen korrekten farblich einwandfreien Probedruck und wissen, dass unsere Daten völlig in Ordnung waren.

Mein Bericht über die Mängelexemplare des Winterhauchs, die mir bei der Lesung übergeben wurden, hatte zufolge, dass noch weitere solcher Bücher bei uns eintrafen – wir haben ein schönes Paket gepackt, es an BoD geschickt und harren der Dinge, die nun kommen werden.

14. Dezember 2009 Verfasst von Bea Wagner | BoD - Books on Demand, Ein Jahr und fünf Bücher mit BoD | , , , , , , , , , , , , , | Noch keine Kommentare

Ein Jahr und viereinhalb Bücher mit BoD – eine Zwischenbilanz (Teil 31)

Sinn und Zweck einer ISBN Nummer ist die eindeutige Zuordnung eines Buches. Werden bei Neu- bzw. einer zweiten Auflage gravierende Veränderungen an einem Buch vorgenommen, z. B. der Inhalt ergänzt, das Cover oder die Seitenzahl verändert, dann sollte eigentlich auch eine neue ISBN Nummer vergeben werden.

So weit die Theorie, die in der Praxis bei einem BoD Buch jedoch zu Komplikationen führt, wie wir jetzt gerade bei der Zweitauflage unseres Erstlings feststellen mussten. Uns blieb nur die Wahl, entweder beide Auflagen parallel nebeneinanderher laufen zu lassen oder die erste Auflage „freizukaufen“ und auf diese Weise aus dem Verkehr zu ziehen.

Zwei verschiedene Versionen des Buches im Handel entsprach nun gar nicht unseren Vorstellungen. Schließlich gab es gute Gründe für eine zweite Auflage, aus reiner Langweile haben wir uns diese Arbeit sicher nicht gemacht. Und die Alternative Lösegeld ist uns schlicht und einfach viel zu teuer. Nebenbei: die diesbezügliche Beratung der kostenpflichtigen BoD Hotline spottete mal wieder jeder Beschreibung und eine Bekannte äußerte daraufhin die Vermutung, dass BoD vielleicht die Mitarbeiter_innen bei der Telekom abgeworben habe.

Auch in Sachen Umtausch, Ersatz der Mängelexemplare sind wir noch nicht weiter gekommen. Bisher erfuhren wir nur, dass wir diese Bücher auf keinen Fall „unfrei“ zu BoD schicken sollen. Doch wie das eigentliche Prozedere aussieht, begonnen bei der Frage: „An welche Adresse sollen die Bücher geschickt werden bis hin zur finanziellen Regelung?????“ wissen wir immer noch nicht. BoD hüllt sich in Schweigen und führt sich auf wie ein kleines Kind: Wenn ich dich nicht seh, siehst du mich auch nicht – Wenn wir auf das Wort Mängelexemplar nicht reagieren, gibt es diese auch nicht.

18. November 2009 Verfasst von Bea Wagner | BoD - Books on Demand Teil 31-? | , , , , , , , , , | Noch keine Kommentare

Ein Jahr und viereinhalb Bücher mit BoD – eine Zwischenbilanz (Teil 30)

Bei der Lesung letzten Sonntag konnte ich erleben, wie nett Leser_innen sein können. Gleich zweimal wurde mir ein Exemplar des Winterhauchs vorgelegt, in dem der Buchblock falsch herum eingesetzt war. Darüber hinaus waren bei einem Buch auch noch die Seiten versetzt übereinandergelegt. Wieder einmal dieser Fehler, den es angeblich gar nicht geben soll. Da die Bücher im Abstand von mehreren Monaten bei verschiedenen Händlern gekauft worden waren, vermute ich nun, dass noch wesentlich mehr solcher Mängelexemplare im Umlauf sind und finde es bedauerlich, dass viele Käufer_innen das in Kauf nehmen und sich nicht laut beschweren. Nach kurzem Überlegen habe ich diese beiden Bücher umgetauscht und anschließend bei BoD angefragt, wie das weitere Prozedere aussieht. Leider, oder soll ich besser schreiben: wie bei BoD üblich, habe ich bisher keine Antwort erhalten.

Ein weiteres Problem hat sich mit der zweiten Auflage unseres Erstlings ergeben. Leicht verändert und mit neuem Cover ist das Buch seit ein paar Tagen im Handel, was die Onlinebuchhändler allerdings nicht zu verstehen scheinen. Zwar erscheint der Hinweis: 2. Auflage, doch die anderen Angaben wurden bisher nicht korrigiert.

7. November 2009 Verfasst von Bea Wagner | BoD - Books on Demand Teil 21-30 | , , , , | Noch keine Kommentare

Lesung im Atelier: Winterhauch

8. Oktober 2009 Verfasst von Bea Wagner | BoD - Books on Demand | , , , , , | Noch keine Kommentare

Das BoD Elend mit den fehlenden Kategorien

Aus der amazon Werbung von heute:

amazon Werbung
Merke: Nicht überall, wo Nele Tabler draufsteht, sind auch lesbische Geschichten drin!!

7. Oktober 2009 Verfasst von Bea Wagner | BoD, amazon | , , , , , , , | Noch keine Kommentare

Ein Jahr und viereinhalb Bücher mit BoD – eine Zwischenbilanz (Teil 29)

»Wissen Sie eigentlich, dass »Koalas fressen Eukalyptus« von amazon promotet wird?« schrieb mir vor einigen Tagen ein Autor, der vor Jahren selbst einmal eines seiner Bücher bei BoD veröffentlicht hat. »Herzlichen Glückwunsch!«

Gleichzeitig erreichte mir die Mail einer Leserin: »Da es in letzter Zeit nicht so häufig Aktualisierungen gab, besuche ich deine Webseite nur noch selten. Deshalb ist mir auch das Erscheinen von »Koalas fressen Eukalyptus« entgangen. Aber kannst Du mir mal sagen, weshalb ich das nicht längst bei amazon unter den lesbischen Neuerscheinungen gefunden habe?«

Tja, vielleicht weil BoD nicht dran interessiert ist, es bei amazon in die richtige Kategorie einstellen zu lassen? Allerdings nahm ich diese Frage als Anlass, mich wieder einmal bei amazon über die fehlenden/falschen Kategorien bei den Koalas und bei unserem Erstling zu beschweren.

Die Antwort kam wie gewohnt prompt: »Vielen Dank für Ihr schreiben an Amazon.de. Wie ich aus Ihren vorherrigen Kontakten erfahren habe geht es hir um den Artikel: Wir bellen zweisprachig: Griffon, Epagneul, Beauceron & Co (Broschiert). Amazon ermöglicht eine Plattform wo man auch gebrauchte Artikel verkaufen kann. Ich bitte Sie dies zu Respektieren. Dabei ist es jedem frei gestellt wie er diese beschreibt. Ich bitte hier um Ihr verständniss.«

Was ist das nun? Servicewüste Deutschland? Ignoranz? Dummheit? Funktionaler Analphabetismus? Ich erkundige mich nach Problem A bei den Büchern B und C und erhalte eine Antwort auf das längst geklärte Problem D bei Buch E … Orthografie und Interpunktion der amazon Kundendienstmitarbeiterin habe ich übrigens so belassen wie erhalten. Ich bin gewiss nicht pingelig und habe selbst so meine Problemchen mit der deutschen Rechtschreibung, aber mindestens neun Fehler (oder habe ich mich verzählt?) in einer so kurzen Mail?

Darüber hinaus war diese Auskunft auch noch grottenfalsch – es mag ja sein, dass amazon es wurscht ist, wer welche Bücher zu welchem Preis bei marketplace einstellt, Hauptsache man verdient daran. Doch es reichte ein kleiner Hinweis meinerseits an diese Händler, dass sich vielleicht das Finanzamt einmal für unser Spendenprojekt interessieren könnte und schwuppdiwupp, waren die Angebote verschwunden bzw. hatte sich »gebraucht« in »Neuware« verwandelt.

5. Oktober 2009 Verfasst von Bea Wagner | BoD - Books on Demand Teil 21-30 | , , , , , , , , , , | Noch keine Kommentare

Was lange währt, wird endlich …

Der ältere Herr hat endlich sein Buch. Es gab wohl Kommunikationsschwierigkeiten mit einer älteren Dame, denn „Wir bellen zweisprachig“ hätte bereits am Montag abgeholt werden können …

10. September 2009 Verfasst von Bea Wagner | BoD - Books on Demand | , , , , , , , , , | Noch keine Kommentare

Ein Jahr und viereinhalb Bücher mit BoD – eine Zwischenbilanz (Teil 28)

Amazon hält „Wir bellen zweisprachig“ mittlerweile wieder auf Lager und auch bei den Umsatzzahlen im BoD Account hat sich etwas getan. Es geht ein wenig aufwärts. Allerdings möchte ich hier den älteren Herrn noch einmal ausdrücklich in Erinnerung rufen: Wo bleibt sein Buch?

Vor einiger Zeit bin ich vom IE auf den Firefox umgestiegen. Der IE sei böse, meinte ein Herr aus meinem Umfeld. Er arbeitet in der EDV Branche und wird es wohl wissen. Irgendwann glaubte ich festzustellen, dass amazon sein Erscheinungsbild ein wenig verändert hätte. Bis ich gestern durch Zufall bemerkte, das lag nicht an amazon sondern am Browserwechsel. Beim IE fand ich das altgewohnte Bild wieder und sah mir endlich einmal genau an, was bei „Kunden, die dieses Buch kauften, kauften auch …“ so alles zum Vorschein kommt.

Der Lektor jenes Verlages, der den Winterhauch als Mischmasch aus Verbrechen, Lesben, Heteros, Landschaft und somit fehlender eindeutiger Zielgruppe damals ablehnte, scheint recht zu behalten. Obwohl das Buch bei amazon in der Kategorie Krimi steht und auch im Klappentext, den eine Rezensentin als misslungen empfand, nicht von Lesben die Rede ist, wird er zu ca. 95 % zusammen mit Lesbenliteratur bzw. Lesbenfilmen verkauft. Damals hatte mich der Lektor gefragt, ob ich bereit wäre: 1. den Krimi zu überarbeiten und aus den Lesben Heteras zu machen und 2. mir ein weiteres Pseudonym zuzulegen? Nur auf diese Art, meinte er, hätte der Krimi Verkaufschancen, weil er dann bei den Regionalkrimis als Werk einer – Zitat – „nicht lesbisch vorbelasteten“ Autorin eingeordnet werden könnte. Noch heute frage ich mich, ob der Vorschlag tatsächlich zur Rubrik Marketing gehörte oder eher latente Homophobie dahintersteckte? Ich kann es wirklich nicht beurteilen.

Ebenfalls mehr zufällig bin ich gestern auch noch bei der google Buchsuche gelandet und habe dort nach Büchern von mir gesucht. Liebenswürdigerweise ist zurzeit keines davon Opfer des Digitalisierungswahns und auch „Senta und Ulla“ kann nicht mehr online gelesen werden. Stattdessen fand ich einen Hinweis darauf, dass ich im Jahre 2005 einen Leserinnenbrief an die EMMA geschrieben hatte. Mir selbst fehlt jede Erinnerung daran, aber google Buchsuche hat dies 2008 in seinen schier unendlichen Datenspeicher aufgenommen.

Vorhin habe ich entdeckt, dass buch24.de „Wir bellen zweisprachig“ heute ebenfalls auf Lager hat. Ob es sich dabei um einen jener berüchtigten Kundenrückläufer handelt, von denen der Mitarbeiter neulich geschrieben und mich damit beinah in eine schwere Depression getrieben hat? Eine Frau mailte mir, sie habe deswegen dort bewusst nach BoD Büchern gesucht, und falls diese Aussage korrekt sei, litten über den Daumen gepeilt ungefähr die Hälfte aller BoD Bücher unter dieser Rücklaufkrankheit. Wäre das nicht ein Fall für Marketing Abteilung der Books on Demand GmbH?

Von dem Plan, als Reaktion auf negative Beurteilungen von BoD Büchern bei amazon vielen Berufsgruppen künftig das Schreiben von Rezensionen verbieten und gleichzeitig Namen für Sexualstraftäter sammeln zu wollen, habe ich seit zwei Tagen nichts Neues mehr gehört. Nur eine kleine Mail ist hier eingetrudelt, in der ein Mensch ohne Namen drohte, demnächst meine Bücher schlecht zu besprechen … und wie ich erfahren habe, scheine ich nicht die einzige Empfängerin solcher Botschaften zu sein. Da fällt mir wieder nur der alte Spruch ein: „Haben die Leute nix anderes zu tun?“

10. September 2009 Verfasst von Bea Wagner | BoD - Books on Demand Teil 21-30 | , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Noch keine Kommentare

Ein Jahr und viereinhalb Bücher mit BoD – eine Zwischenbilanz (Teil 27)

Es ist ungefähr zehn Jahre her, als ich das dicke Manuskript eines lesbischen Coming Out Romans zu lesen bekam. Nach einem ersten flüchtigen Blick darauf hätte ich am liebsten sofort mehr als die Hälfte radikal gestrichen. Da es sich jedoch um eine Autobiografie handelte, war die Schreiberin nicht bereit, auch nur auf ein einziges Wort zu verzichten. Statt einer Kürzung schlug sie vor, lieber beim Druck winzigere Buchstaben zu verwenden sowie Abstände und Seitenränder zu verkleinern. Ihrer Meinung nach war es für das Verständnis wichtig zu wissen, dass drei und nicht vier Kiwis in der Obstschale lagen – inclusive einer ausführlichen Beschreibung darüber, wie sie einst gemeinsam mit ihrer Großmutter, die an jenem Tag ein rotes Kleid trug, die Obstschale gekauft hatte – folgend die Erklärung, welche Bedeutung die Farbe rot für ihre Großmutter hatte … um ungefähr zwanzig Seiten später endlich wieder auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Ihrer Angebeteten war ein Fingernagel abgebrochen. Meines Wissens ist das Buch nie erschienen.

Ich habe in den letzten Jahren häufig an ihren Vorschlag „kleinere Buchstaben zu nehmen“ denken müssen. Meist dann, wenn ich ein BoD Buch in die Finger bekam, dessen Layout diesen Vorstellungen entsprach.

Bei BoD Büchern hängt der Preis hauptsächlich von der Anzahl der Seiten ab, während Höhe und Breite fast keine Rolle spielen. Es macht keinen Unterschied, ob 12 x 19 cm oder 17 x 22 cm als Format gewählt werden. Gedruckt wird das Buch auf gleichen Papierbögen und danach schneidet BoD in einem Fall 10 cm und im anderen 20 cm Rand ab. So kann sich theoretisch aus ein und demselben Manuskript ein Buchumfang von sowohl 100 als auch von 200 Seiten ergeben. Werden nun noch die winzigeren Buchstaben und kleineren Abstände gewählt, lassen sich vielleicht noch einmal zwanzig oder gar dreißig Seiten einsparen. Am Ende wird bei identischem Inhalt das kleine dicke Buch für 14,90[i] Euro angeboten und das große dünne Exemplar für 8,90 Euro.

Sicher mag es Menschen geben, die aus finanziellen Gründen das große Buch grundsätzlich dem anderen vorziehen würden. Ich gehöre nicht dazu, denn mir gefällt es nicht, wenn ich alles als einen einzigen Buchstabenbrei wahrnehme und eine Lupe zum Entziffern brauche. Zudem bin ich davon überzeugt, dass trotz des niedrigeren Preises insgesamt die Verkaufschancen geringer sind. Als LeserInnen sind wir alle auf bestimmte Formate konditioniert und akzeptieren Veränderungen nur im Ausnahmefall. Ein Sachbuch darf ruhig ein wenig größer sein, die Paperback Ausgabe eines Krimis hingegen nicht. Außerdem führt die falsche Formatwahl dazu, dass diese Bücher schon aus weiter Ferne als BoD Erzeugnisse erkannt werden. So sagte mir mal ein Buchhändler: „Es mag zwar lächerlich klingen, aber ich kann diese Bücher nicht einfach zu den anderen ins Regal stellen. Sie versauen die Optik. Es sieht unordentlich aus.“

Als ich letzte Weihnachten dem älteren Herrn „Frauen, die nach Schinken stinken“ zusammen mit ein paar anderen Büchern schenkte, meinte er: „Das lese ich zuerst. Es ist das Dünnste.“ Und meinte damit: weniger Inhalt. Als wir ihm mit Hilfe eines Typometers ausrechneten, wie viele Seiten mehr das Buch bei einem üblichen Format und Layout hätte, war das Staunen groß.


[i] Diese Zahlen sind alle fiktiv. Näheres dazu beim Preiskalkulator auf der BoD Seite

10. September 2009 Verfasst von Bea Wagner | BoD - Books on Demand Teil 21-30 | , , , , , , , , , , , , , | Noch keine Kommentare

Ein Jahr und viereinhalb Bücher mit BoD – eine Zwischenbilanz (Teil 26)

Da ich im Moment dabei bin, Bilanz zu ziehen und ein wenig Ordnung in mein persönliches BoD Chaos zu bringen, ergibt es sich beinah zwangsläufig, mich von gewissen Dingen zu trennen und einiges aufzuräumen. Dazu gehörte auch, endlich meinen Account bei dem früheren autorenpool.info zu löschen. Es ist mir nicht wirklich gelungen, eine entsprechende Funktion habe ich nicht gefunden. Doch wenigstens konnte ich meine persönlichen Angaben und den Avatar entfernen. Bei meiner Suche habe ich zufällig einen Diskussionsstrang entdeckt, der mir sämtliche Haare zu Berge stehen ließ – dabei hatte ich mir eigentlich fest vorgenommen, mich über dieses Forum nicht weiter zu äußern.

Ein Problem bei amazon Rezensionen, das seit einigen Jahren immer wieder neu und an vielen Stellen im Internet heftig diskutiert wird, ist der sogenannte „real name“. Der Onlinebuchhändler selbst fordert seine KundInnen ziemlich direkt auf, beim Schreiben von Rezensionen auf Nicknames zu verzichten und stattdessen die wahre Identität preiszugeben. Mich selbst würde das wenig stören, ich habe schon vor langer Zeit entschieden, was im Internet über mich bekannt sein darf und was nicht, und habe allein durch die Impressumspflicht kaum eine Möglichkeit, mich zu verstecken. Zudem ist in meinem Personalausweis auch ein Künstlername eingetragen und ich könnte deshalb gleich unter zwei „real names“ bei amazon Rezensionen schreiben – theoretisch, wenn ich denn wollte. Jedoch gebe ich in der Regel keine offiziellen Beurteilungen über die Bücher von KollegInnen ab. Es gibt zwar einen Ausnahmebereich, allerdings wäre das nun ein anderes Thema und gehört nicht hierher.

Die Möglichkeit der Nicknames bei den Rezensionen führt unbestritten zu Missbrauch, Hemmungslosigkeit, Mobbing, Diffamierungen wie überall in Foren, aber auch in Blogs oder bei Twitter. Als Gegenmaßnahme wird nun autorenpool.info über einen gemeinschaftlichen Aufruf an amazon gesprochen, künftig bitte nur noch Rezensionen mit „real names“ zuzulassen.

Am 21. August titelte die Berliner Zeitung „Firmen spähen Bewerber online aus“ und beruft sich dabei auf eine Untersuchung von dimap im Auftrag des Verbraucherministeriums. Nicht umsonst steht das beliebte social networking in der Kritik, weil gerade Jugendliche die langfristigen Konsequenzen ihrer Internetaktivitäten nicht überblicken können. Und selbst ich war kürzlich ziemlich entsetzt, als ich bei archive.org längst gelöschte Ausgaben meiner Webseite aus dem Jahr 2002 fand.

Wer unter einem „real name“ bei amazon Rezensionen schreibt, gibt auf Jahrzehnte hinaus der ganzen Welt bekannt, welche Bücher man wann gelesen hat und welchen Eindruck man davon hatte. Die sogenannte Schmuddelliteratur würde bei einer „real name“ Pflicht wohl kaum noch besprochen werden und ganze Berufsgruppen könnten es sich schlicht nicht mehr leisten, ihre ehrliche Meinung über bestimmte Bücher zu äußern. Einer Germanistin, die sich um eine Professur bewirbt, kann die Besprechung eines schnöden Unterhaltungsromans zehn Jahre zuvor das Genick brechen und bei der momentanen Einstellung wäre es für sie sicher nicht karrierefördernd, einmal einen BoD Titel positiv kommentiert zu haben. Stalker, Pädophile und Vergewaltiger würden sich wahrscheinlich im Paradies wähnen. Haben sie einmal einen Namen und können zudem aus den Themen der besprochenen Bücher Rückschlüsse auf die jeweiligen Interessen ziehen, wird es für sie leicht sein, die dazugehörigen Adressen herausfinden und ihren künftigen Opfern einen Besuch abzustatten. Wenigstens bei Menschen, die in der Provinz wohnen und nicht gerade Müller oder Meier mit Nachnamen heißen.

8. September 2009 Verfasst von Bea Wagner | BoD - Books on Demand Teil 21-30 | , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Noch keine Kommentare